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11. Wenn die Seele müde ist - Depression

Eine zerrüttete Nacht beeinflusst als erstes unsere Stimmung am nächsten Tag. So manch einer fühlt sich zerknirscht, abgeschlagen und reagiert dünnhäutig. Eine jahrelang andauernde Schlafstörung kann auch tatsächlich eine Depression begünstigen. Wie hängen Schlafstörungen und Depression zusammen?

Depression bedeutet, dass man gefühllos ist, dass man an nichts mehr Spaß hat, keine Freude, aber auch kein Leid empfindet. Viele Menschen haben depressive Episoden, also Phasen, in denen sie sich antriebs- und energielos fühlen. Alles ist nur noch grau, und nichts macht mehr Sinn. Aufstehen hat auch keinen Sinn, also bleibt man morgens länger im Bett liegen und geht abends früher hinein. Man hat keine Lust mehr, Familie oder Freunde zu treffen. Man möchte alleine sein. Und was ist der privateste Rückzugsraum, den wir haben? Das Bett. Wer aber zuviel Zeit im Bett verbringt, dessen Schlaf wird brüchig und damit gefühlt schlechter. Man liegt ausgeschlafen und somit wach im Bett, und wach im Bett liegen ist unangenehm. Die ersten Anzeichen einer Depression sind häufig ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus. Schon vor 40 Jahren hat man die Entdeckung gemacht, dass depressive Personen mehr Zeit im REM-Schlaf verbringen. Generell kann man sagen, je mehr Zeit wir im Bett verbringen, desto höher ist der Anteil am REM-Schlaf. Doch die REM-Phasen treten bei Depressiven viel früher in der Nacht auf. Normalerweise haben wir in der ersten Nachthälfte wenig REM-Schlaf, in der zweiten viel mehr. Bei Depressiven beginnt die Nacht oft schon mit REM-Schlaf. Fast alle Antidepressiva, die es auf dem Markt gibt, unterdrücken den REM-Schlaf. Womöglich wirken Antidepressiva, weil sie den REM-Schlaf unterdrücken. Man hat weniger davon und kommt wieder auf ein normales Niveau. Und genau hier setzt auch eine andere Therapie an: die Schlafentzugstherapie. Sie ist sehr effektiv, aber leider nur kurzzeitig wirksam. Warum hilft das? Weil auch diese Therapie den REM-Schlaf unterdrückt. Am nächsten Morgen haben viele Betroffene das Gefühl, dass sie sich das erste Mal wieder etwas besser fühlen. Sie können sich z.B. das erste Mal wieder am Gesang der Vögel erfreuen. Leider wirkt das, wie gesagt, nur kurzzeitig, weil unser Körper danach wieder in alte Muster zurückfällt. Allerdings kann der Schlafentzug den Betroffenen zeigen, dass es doch noch einen Sinn im Leben gibt, dass es doch noch Dinge gibt, die Spaß machen. Den Schlaf wieder ins Gleichgewicht zu bringen ist daher einer der wichtigsten Aspekte bei der Behandlung einer Depression. Neuere Studien zeigen auch, dass einer Depression eine Störung der inneren Uhr zugrunde liegt. Unser innerer Taktgeber ist auch aus dem Gleichgewicht gekommen. Patienten einer Klinik, die ein Zimmer auf der Sonnenseite hatten, konnten schneller wieder entlassen werden. Das liegt daran, dass die Sonne einer unserer stärktsten Taktgeber ist. Daher ist auch Lichttherapie so effektiv. Morgens 30 Minuten vor einer Therapielampe hilft erwiesenermaßen. Noch viel besser ist die “echte” Lampe da draußen, also die Sonne.

Depressionen sind vermutlich auch auf ein Ungleichgewicht von Neurotransmittern im Gehirn zurückzuführen. Eigentlich sollte der Schlaf hier jede Nacht wieder für Ordnung sorgen. Ein klarer Rhythmus von Sonne und Dunkelheit, von Bewegung und Ruhe, fördert einen gleichmäßigen Schlaf. Körper und Kopf werden wieder in denselben Takt und damit ins stoffliche Gleichgewicht gebracht. Organische Schlafprobleme zerstückeln den Schlaf. Bei Menschen, die von organischen Schlafproblemen betroffen sind, kommen Depressionen gleich häufiger vor. Ein gestörter Schlaf stört das Gleichgewicht der Nervenbotenstoffe, und das kann wiederum eine Depression begünstigen. Sollte man eine depressive Episode überwunden haben, aber die Schlafstörungen dauern noch an, dann ist es sehr wichtig, sich für die Schlafstörungen professionelle Hilfe zu suchen. Bestehende Schlafstörungen erhöhen das Risiko eines Rückfalls stark. Die Medizin muss beginnen, die Schlafstörung nicht nur als Symptom zu sehen, und ihre Behandlung als essentiellen Teil der Behandlung anderer Erkrankungen anzuerkennen.

Wenn du ständig müde bist, aber Schlafen nichts bringt, dann liegt das daran, dass nicht dein Körper müde ist, sondern deine Seele.

Wenn wir uns über eine längere Zeit schlapp, lustlos, emotionslos und leer fühlen, flüchten wir meistens in unser Bett. Wir verbringen dann zuviel Zeit dort und zuwenig Zeit an der Sonne. Unser Körper gerät aus dem Takt und unser Schlaf wird schlechter. Mitunter können Schlafprobleme eine Depression auslösen, anderenfalls ziehen Depressionen oft eine Schlafstörung nach sich. Die Behandlung einer Schlafstörung ist in jedem Fall essentiell für die Behandlung einer Depression. Guter Schlaf bedeutet auch eine gute, ausgeglichene Psyche.

Suche Hilfe! Sie sind eine Erkrankung wie andere auch und sie lassen sich heute gut behandeln.