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5. Schlaf dich schlau

Unser Erinnerungen verfestigen sich über Nacht, wenn wir dem Körper die Möglichkeit geben, zu schlafen. Manchmal haben wir im Schlaf geniale Einfälle. Ist das einfach? Wenn wir schlafen, wird im Gehirn viel gequatscht. Die Ereignisse des Tages werden nochmal durchgekaut, bewertet und in die bestehenden Schubladen einsortiert. Eine besondere Rolle spielt dabei der Hippocampus. Das ist sozusagen der Notizblock des Gehirns. Auf dem wird viel herumgekritzelt und zwischengespeichert. Wenn wir uns an etwas erinnern, bedeutet das, dass im Gehirn ein bestimmtes Feuermuster von Nervenzellen noch einmal abläuft. Immer, wenn die gleiche Auswahl von Nervenzellen aktiv ist, haben wir den gleichen Gedanken. Der Hippocampus fungiert hier als eine Art Stichwortgeber. Im Tiefschlaf ruft er Orte und Ereignisse der letzten Tage ab. So spielt er fein abgestimmt seine Erinnerungsbotschaften wieder ein, ein Wiederaufrufen unserer Erinnerungen, die sich dadurch verfestigen. Neue Erinnerungen werden so in unser bestehendes Wissen einsortiert. Gleichzeitig werden sie umgeformt. Wir wachen tatsächlich mit anderen Erinnerungen und einem anderen Gehirn auf, als wir eingeschlafen sind. Über Nacht bekommen wir ein Wissen darüber, wie Dinge generell ablaufen, verlieren aber gleichzeitig das Wissen darüber, wann und wo wir Sachen gelernt haben. Wir erinnern uns an einen Liedtext und eine Melodie, aber nicht, wann und wie wir das gelernt haben. Aus Einzel- und Faktenwissen wird generelles Wissen oder eine Art Bauchgefühl. Details verblassen in der Rückschau, im Gedächtnis bleibt eine Quintessenz der Dinge haften, die für uns wichtig waren.

Wieso heißt es eigentlich “schlau schlafen”, wenn wir Details vergessen? Im Schlaf entdecken wir Regelhaftigkeiten, die uns vorher verborgen waren. Über etwas eine Nacht zu schlafen, macht also wirklich Sinn. Im Schlaf verbessern wir also nicht nur unser Gedächtnis, unser Gehirn zieht in der Nacht tatsächlich intelligente Querverbindungen. Dieses Abspielen und Festigen von Erinnerung muss nicht direkt in der nächsten Nacht erfolgen. Wir verarbeiten meistens die Informationen der letzten paar Tage in einer Nacht. Wenn wir mal eine Nacht nicht so viel schlafen, ist das daher nicht so schlimm. Viel wichtiger ist: die für das Gedächtnis wichtigen Tiefschlafphasen sind vor allem zu Beginn der Nacht. Unser Körper sorgt dafür, dass wir über den Verlauf einer Woche ausreichend Schlaf bekommen. Wichtig ist, dass wir ihn nachts und nicht tagsüber schlafen lassen. Nachts laufen diese Prozesse nachweislich besser ab. Dann läuft der Schlaf im Einklang mit den anderen Körperprozessen, die für die Nacht vorgesehen sind.

Im Schlaf lassen wir den Tag Revue passieren. Alles, was wir gelernt haben, wird noch einmal abgespielt und einsortiert. Es sind faszinierende, fein abgestimmte Prozesse, die dort ablaufen. Eine zerrüttete Nacht lässt uns aber nicht gleich alles vergessen. Schlafen wir ein paar Tage schlecht, wird die wichtige Tiefschlafphase danach nachgeholt und damit auch diese Prozesse. Unser Körper holt sich, was er braucht!