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3. Soll man Schlafwandler aufwecken?

Wenn wir Schlafwandeln, können wir wirklich alles tun. Autofahren, in Extremfällen jemanden umbringen, … Schlafwandeln ist ein Aufwachen, das schiefgegangen ist. Damit wir aufwachen, braucht es immer einen inneren oder äußeren Reiz. Unser Gehirn mag nicht gerne im Schlaf geweckt werden, insbesondere nicht im Tiefschlaf. Der Thalamus reagiert auf den Weckreiz und versucht, den Schlaf zu stabilisieren, indem er tiefschlaftypische, langsame Gehirnwellen verstärkt. Das passiert insbesondere dann, wenn wir übermüdet sind, denn dann tut der Körper alles, um den Schlaf zu stabilisieren. Beim Schlafwandeln kommt es aber nur in einer Gehirnhälfte zu einer Verdichtung des Tiefschlafs. Die andere Hälfte entwischt und zieht durch einen Weckreiz in einen Wachzustand. Das Gehirn befindet sich in einem zweigeteilten Zustand: Ein Teil schläft, ein anderer wacht. Genauer gesagt schläft der vordere Teil, in dem wichtige Bereiche für rationales Denken und Bewusstsein liegen. Die hintere Gehirnhälfte wird wach. Dieser Teil ist für die Verarbeitung des Sehens und unsere Bewegungsplanung entscheidend. Deshalb haben Schlafwandler meist ihre Augen offen und können stereotypen Handlungen nachgehen, z.B. gehen, essen, autofahren, Kühlschrank öffnen und ein Sandwich mit Katzenfutter herrichten … Schlafwandler können sich an nichts erinnern und streiten alles ab.

Gretchenfrage: Soll man Schlafwandler aufwecken?

Schlafwandler befinden sich im Tiefschlaf. Und egal ob Schlafwandler oder nicht, weckt man Menschen aus dem Tiefschlaf auf, sind sie verwirrt, desorientiert und reagieren mitunter gereizt. Besser als diese Person aufzuwecken, ist, sie vorsichtig zurück ins Bett zu bringen. Der Schlafwandler kann dort in Ruhe weiterschlafen und wird sich am nächsten Tag an nichts erinnern können.

Wollen wir etwas gegen das Schlafwandeln unternehmen, müssen wir die Aufwachreaktion aus dem Tiefschlaf verringern. Äußere Reize sollten so weit wie möglich ausgeschaltet werden. Ohrstöpsel bei Lärm und geschlossene Rolläden bei Licht. Wichtiger sind aber die inneren Reize, wie z.B. starker Harndrang durch zuviel Alkohol am Vorabend und insbesondere Schnarchen, vor allem gepaart mit Atemaussetzern. Durch die Behandlung des Schnarchens kann Schlafwandeln verhindert werden. Schlaftabletten und Alkohol sind eine üble Kombination, weil auch sie das Aufwachen fördern. Stress ist ebenfalls ein innerer Weckreiz. Er senkt die Weckschwelle und lässt uns, egal ob durch innere oder äußere Reize, nachts häufiger aufwachen, damit wir nachsehen können, ob alles in Ordnung ist.

Was ist Schlafwandeln? Innerhalb der ersten drei Stunden des Schlafes kommt es zu einer Weckreaktion, in der die eine Hälfte des Gehirns in einen Wachzustand entgleitet und die andere Hälfte weiterschläft. Um Schlafwandel vorzubeugen, sollte man an erster Stelle Weckreize minimieren.

Zwei Do-it-yourself-Tipps gegen Schlafwandeln:

  • Da wir meistens nur in den ersten drei Stunden des Schlafes Tiefschlafepisoden haben, kann man gut vorhersehen, wann der Schlafwandler wieder aktiv wird. Gerade bei Kindern kommt es am häufigsten am Ende der ersten Tiefschlafepisode zum Schlafwandeln. Hier hat ein Kinderpsychiater eine gute Idee. Weckt man ein Kind am Ende einer Tiefschlafphase präventiv auf, ist die nächste Tiefschlafphase nicht mehr so tief und so lässt sich eine Schlafwandelphase durchbrechen.
  • Wenn ein Schlafwandler für das Aufstehen aus dem Bett (was eine stereotype Schlafwandlerhandlung ist) einübt, besteht die Möglichkeit, dass er sich zukünftig daran hält. Dazu muss er einen Monat lang konsequent beim Einschlafen 20 Mal den Satz sagen: “Wenn ich im Schlaf mit meinen Beinen den Boden berühre, lege ich mich wieder ins Bett.” Das ist eine international bekannte Behandlungsmethode.